Wie Mann richtig Milch verpulvert
Mal wieder ein Reportage-Gruß aus dem Vaterland:
Und es begab sich zu der Zeit, dass die eilige Familie auszog gen Osten, um sich eine Woche in der Hauptstadt umzutun.
Während die Frau Mama auf einem Kongress weilte und ihren Seelenfrieden auf dem Altar der Wissenschaft opferte, hatte der Herr Papa viel Zeit, mit seinem Herren Sohn das schöne Berlin zu erkunden.
Da wir aber nicht hip in Mitte, sondern familienfreundlich in einem feudalen Apachtemang am westlichen Havelufer residierten (1.000 Dank an Dagmar, Manfred & Papa Keiz!) und dementsprechend etwas weiter anreisen mussten, um in belebtere Gefilde zu kommen, war eine Vergrößerung des väterlichen Aktionsradius unbedingt vonnöten. Soll heißen: Wenn ich mich in den Monaten zuvor immer brav nie weiter als 20 Minuten Anreiseweg von den heimischen Milchtöpfen aufhielt, musste ich nun mit Fahrtzeiten von bis zu anderthalb Stunden klarkommen.
In den Wochen vor unserer Abreise: ratlose Nachdenklichkeit. Angesichts der dräuenden Situation, dass die Mama sich beinahe täglich zu irgendwelchen Symposien davonzumachen drohte (und mit ihr die naturgegebene Milchversorgungsanlage), zogen in meiner Vorstellung düstere Wolken der Vorahnung eines Hunger-GAUs auf:
Eine Einkaufszone irgendwo in Berlin.
Ein schreiendes, hungriges Knäblein in den Armen eines verzweifelten Vaters, dessen Brustdrüsen nichts Nahrhafteres vorzuweisen haben als ein paar gelockte Haare.
Eine anrückende Hundertschaft bewaffneter Jugendamts-Büttel, die dem Vater das Kind entreißen.
Einzelhaft.
Zunächst war ich wild entschlossen, das Haus nicht zu verlassen.
Aber dann fand sich eine Lösung.
Der Zaubertrick heißt: Folgemilch.
Nach einigen erfolglosen Versuchsreihen und Produkttests entdeckten wir tatsächlich ein Milchpulver, das (mit heißem Wasser gemixt) Henris Gusto entsprach. Natürlich ist Muttis immer noch die beste – aber jetzt gab es tatsächlich so etwas wie „Vatermilch“. Mit einem dicken Paket Bio-Folgemilch von Hipp schickte ich mich an, meine Spannweite zu vergrößern.
Einziges verbleibendes Problem: Woher inmitten besagter Einkaufszone zirka 100 ml warmes, zuvor abgekochtes Wasser nehmen? Bei Tchibo schnorren? Im „Saturn“-Markt vorgeben, „nur mal eben die Espresso-Maschinen ausprobieren zu wollen“? („Dit haste dir wohl so jedacht, Keule, wa? Nüscht da, raus, aber janz flotti!“)
Nein, der gewitzte Leser ahnt es: Eine Thermoskanne musste her. Aber einen Liter Wasser in einer kiloschweren Albi-Kanne herumochsen?
Och, nö.
Ich empfehle: Den Relags Thermobecher „Tumbler“ (über www.relags.de) in klein (350 ml, etwa 9 Euro). Hält ganz gut dicht – und echt gut warm (Wasser in 6 Stunden von 80 Grad auf nur knapp 60 Grad abgekühlt).
So fand sich also an diversen Orten Berlins in der letzten Woche ein junger Vater, der aus einem silbernen Gefäß heißes Wasser in eine zuvor daheim mit der korrekten Menge Milchpulver präparierten Babyflasche füllte und gleich darauf an seinen hungrigen Sohn verfütterte. Unter anderem auch auf der MS Havel Queen, einem großen Ausflugsdampfer mit dem Vater & Sohn eine 2½-stündige Havelrundfahrt unternommen haben. (Grüße an die sehr nette Crew!)
Für längere Ausflüge muss ich entsprechend mehr vorbefüllte Milchfläschchen mitnehmen, weil das Ganze immer frisch zubereitet und schnell verbraucht werden muss, Aufwärmen verboten! Bei richtigen Tagesausflügen wird allerdings der Platz in der Wickeltasche knapp. Vielleicht erfindet ja mal jemand so eine Art Patronengurt für Babypullen, und zwei Halftern für die Wasser-„Tumbler“?
Wäre nett, danke.
Um gleich im Western-Bild zu bleiben: Der Showdown der Woche fand in der Spandauer Filiale des zur Zeit bekanntesten US-Kaffee-Shops statt.
Nein, ich habe keinen „Folgemilchkaffee“ bestellt, ihr Witzbolde.
Ich hatte kein Milchproblem, sondern Wassersorgen.
Als ich endlich auf einem ruhigen Plätzchen inmitten des Lokals angekommen war (die Sofas am Fenster waren von vier jungen Müttern mit ebenso vielen 1- bis 2-jährigen Babys mehr als besetzt), Henri bereits hungerhampelnd auf dem Arm, stellte ich fest: Der Becher hatte das Wasser ZU gut warmgehalten. Es kochte fast noch. Und ließ sich auch durch heftigstes Schütteln nicht zum downcoolen bewegen.
(In der Zwischenzeit: verdächtige Stille am Mütterfenster, was ich aber nicht weiter beachten konnte.)
Eine neue Eiszeit war kurzfristig nicht zu erwarten, die Kühlschrankabteilung bei „Saturn“ war tabu („Nu isset aber bald ma jut, Meister, wa?!“) – wie also die Milch abkühlen, Scheiße, verdammte?
Henri: NÖÖÖÖL! ZETER! NACH DER PULLE GREIF!
Idee: Wasser!
Toilette: zu großer Andrang.
Ab an die Theke.
„Einen großen Becher kaltes Leitungswasser, bitte“
„Mit Eis?“
„Au ja!“
Zurück an den Platz, Henri mittlerweile HÖCHST ungeduldig strampelnd im Arm. Die Milchflasche mit dem Boden ins eiskalte Wasser halten.
(Dann plötzlich dieses untrügliche Gefühl, beobachtet zu werden, dieses Aufblitzen von zugewandten Gesichtern hinter dem Augenhorizont.)
Ich blicke auf und sehe vor dem Fenster auf den Sofas acht Gesichter – vier große, vier kleine – die mir voller Faszination zugewandt sind, die schweigend und mit 16 großen Augen diesen Vater anstarren, der da mit ruckelndem, maulendem Kind auf dem Arm bei Starbuck’s an einem Tisch sitzt und eine Babyflasche mit dem Arsch in einen Becher Eiswasser hält.
Ein Moment freundliche Stille.
Großes Stillstaunen und Raunen.
Dann: allgemeines Losprusten.
Mütterlachen, Kinderlachen, Vaterlachen.
Nur kein Henrilachen, weil: Der hat nämlich Hunger, und das ist NICHT WITZIG!
Aber als nach 10 Sekunden die Milch perfekt heruntergekühlt aus dem Eisbecher ihren Weg an des Kindes hungrigen Mund gefunden hat, ist der Freudenfrieden perfekt. Alles ist Glück und satte Freude, und das Vatergrinsen will auch für die nächsten 15 Minuten einfach nicht aus dem Gesicht verschwinden.
Und es begab sich zu der Zeit, dass die eilige Familie auszog gen Osten, um sich eine Woche in der Hauptstadt umzutun.
Während die Frau Mama auf einem Kongress weilte und ihren Seelenfrieden auf dem Altar der Wissenschaft opferte, hatte der Herr Papa viel Zeit, mit seinem Herren Sohn das schöne Berlin zu erkunden.
Da wir aber nicht hip in Mitte, sondern familienfreundlich in einem feudalen Apachtemang am westlichen Havelufer residierten (1.000 Dank an Dagmar, Manfred & Papa Keiz!) und dementsprechend etwas weiter anreisen mussten, um in belebtere Gefilde zu kommen, war eine Vergrößerung des väterlichen Aktionsradius unbedingt vonnöten. Soll heißen: Wenn ich mich in den Monaten zuvor immer brav nie weiter als 20 Minuten Anreiseweg von den heimischen Milchtöpfen aufhielt, musste ich nun mit Fahrtzeiten von bis zu anderthalb Stunden klarkommen.
In den Wochen vor unserer Abreise: ratlose Nachdenklichkeit. Angesichts der dräuenden Situation, dass die Mama sich beinahe täglich zu irgendwelchen Symposien davonzumachen drohte (und mit ihr die naturgegebene Milchversorgungsanlage), zogen in meiner Vorstellung düstere Wolken der Vorahnung eines Hunger-GAUs auf:
Eine Einkaufszone irgendwo in Berlin.
Ein schreiendes, hungriges Knäblein in den Armen eines verzweifelten Vaters, dessen Brustdrüsen nichts Nahrhafteres vorzuweisen haben als ein paar gelockte Haare.
Eine anrückende Hundertschaft bewaffneter Jugendamts-Büttel, die dem Vater das Kind entreißen.
Einzelhaft.
Zunächst war ich wild entschlossen, das Haus nicht zu verlassen.
Aber dann fand sich eine Lösung.
Der Zaubertrick heißt: Folgemilch.
Nach einigen erfolglosen Versuchsreihen und Produkttests entdeckten wir tatsächlich ein Milchpulver, das (mit heißem Wasser gemixt) Henris Gusto entsprach. Natürlich ist Muttis immer noch die beste – aber jetzt gab es tatsächlich so etwas wie „Vatermilch“. Mit einem dicken Paket Bio-Folgemilch von Hipp schickte ich mich an, meine Spannweite zu vergrößern.
Einziges verbleibendes Problem: Woher inmitten besagter Einkaufszone zirka 100 ml warmes, zuvor abgekochtes Wasser nehmen? Bei Tchibo schnorren? Im „Saturn“-Markt vorgeben, „nur mal eben die Espresso-Maschinen ausprobieren zu wollen“? („Dit haste dir wohl so jedacht, Keule, wa? Nüscht da, raus, aber janz flotti!“)
Nein, der gewitzte Leser ahnt es: Eine Thermoskanne musste her. Aber einen Liter Wasser in einer kiloschweren Albi-Kanne herumochsen?
Och, nö.
Ich empfehle: Den Relags Thermobecher „Tumbler“ (über www.relags.de) in klein (350 ml, etwa 9 Euro). Hält ganz gut dicht – und echt gut warm (Wasser in 6 Stunden von 80 Grad auf nur knapp 60 Grad abgekühlt).
So fand sich also an diversen Orten Berlins in der letzten Woche ein junger Vater, der aus einem silbernen Gefäß heißes Wasser in eine zuvor daheim mit der korrekten Menge Milchpulver präparierten Babyflasche füllte und gleich darauf an seinen hungrigen Sohn verfütterte. Unter anderem auch auf der MS Havel Queen, einem großen Ausflugsdampfer mit dem Vater & Sohn eine 2½-stündige Havelrundfahrt unternommen haben. (Grüße an die sehr nette Crew!)
Für längere Ausflüge muss ich entsprechend mehr vorbefüllte Milchfläschchen mitnehmen, weil das Ganze immer frisch zubereitet und schnell verbraucht werden muss, Aufwärmen verboten! Bei richtigen Tagesausflügen wird allerdings der Platz in der Wickeltasche knapp. Vielleicht erfindet ja mal jemand so eine Art Patronengurt für Babypullen, und zwei Halftern für die Wasser-„Tumbler“?
Wäre nett, danke.
Um gleich im Western-Bild zu bleiben: Der Showdown der Woche fand in der Spandauer Filiale des zur Zeit bekanntesten US-Kaffee-Shops statt.
Nein, ich habe keinen „Folgemilchkaffee“ bestellt, ihr Witzbolde.
Ich hatte kein Milchproblem, sondern Wassersorgen.
Als ich endlich auf einem ruhigen Plätzchen inmitten des Lokals angekommen war (die Sofas am Fenster waren von vier jungen Müttern mit ebenso vielen 1- bis 2-jährigen Babys mehr als besetzt), Henri bereits hungerhampelnd auf dem Arm, stellte ich fest: Der Becher hatte das Wasser ZU gut warmgehalten. Es kochte fast noch. Und ließ sich auch durch heftigstes Schütteln nicht zum downcoolen bewegen.
(In der Zwischenzeit: verdächtige Stille am Mütterfenster, was ich aber nicht weiter beachten konnte.)
Eine neue Eiszeit war kurzfristig nicht zu erwarten, die Kühlschrankabteilung bei „Saturn“ war tabu („Nu isset aber bald ma jut, Meister, wa?!“) – wie also die Milch abkühlen, Scheiße, verdammte?
Henri: NÖÖÖÖL! ZETER! NACH DER PULLE GREIF!
Idee: Wasser!
Toilette: zu großer Andrang.
Ab an die Theke.
„Einen großen Becher kaltes Leitungswasser, bitte“
„Mit Eis?“
„Au ja!“
Zurück an den Platz, Henri mittlerweile HÖCHST ungeduldig strampelnd im Arm. Die Milchflasche mit dem Boden ins eiskalte Wasser halten.
(Dann plötzlich dieses untrügliche Gefühl, beobachtet zu werden, dieses Aufblitzen von zugewandten Gesichtern hinter dem Augenhorizont.)
Ich blicke auf und sehe vor dem Fenster auf den Sofas acht Gesichter – vier große, vier kleine – die mir voller Faszination zugewandt sind, die schweigend und mit 16 großen Augen diesen Vater anstarren, der da mit ruckelndem, maulendem Kind auf dem Arm bei Starbuck’s an einem Tisch sitzt und eine Babyflasche mit dem Arsch in einen Becher Eiswasser hält.
Ein Moment freundliche Stille.
Großes Stillstaunen und Raunen.
Dann: allgemeines Losprusten.
Mütterlachen, Kinderlachen, Vaterlachen.
Nur kein Henrilachen, weil: Der hat nämlich Hunger, und das ist NICHT WITZIG!
Aber als nach 10 Sekunden die Milch perfekt heruntergekühlt aus dem Eisbecher ihren Weg an des Kindes hungrigen Mund gefunden hat, ist der Freudenfrieden perfekt. Alles ist Glück und satte Freude, und das Vatergrinsen will auch für die nächsten 15 Minuten einfach nicht aus dem Gesicht verschwinden.
Jens Clasen - 27. Jul, 11:46
