Die Paten
Ab und zu sehe ich einen beim Einkaufen.
Meistens sind die aber dann ganz schnell wieder weg, mit dem Kinderwagen um die Ecke gehuscht und verschwunden.
Darum meine Frage:
Wo sind die Papas?
Wo sind sie, die 10 Prozent Männer in Elternzeit?
Die angeblich sogar bis zu 20 Prozent in größeren Städten, die sich für 3, 4, 5, 6 oder mehr Monate nur dem eigenen Nachwuchs widmen?
Ich finde sie nicht.
Auf den Spielplätzen nicht, in keiner Babyabteilung, nirgendwo.
Sind die im Untergrund?
Gibt es so eine Art geheime Papa-Vereinigung, eine Brei-Sauger-Loge, zu der ich noch keinen Zutritt habe – oder nie bekomme?
Was müsste ich tun, um diesem Verein beitreten zu können? Einem Baby ansatzlos aus der Hüfte die Flasche geben, die es dann ohne absetzen in 5 Minuten austrinkt?
Mit verbundenen Augen eine volle Windel entfernen, das Kind waschen und neu pampern, das alles in 60 Sekunden?
30 Sorten Babybrei blind erkennen, nur am Knackgeräusch beim Öffnen des Glases?
Also, bisher bin ich jedenfalls noch nicht angeworben worden, es saß noch keine vermummte Gestalt nachts auf der Bettkante, die mir stumm eine Wachsmalstift-Notiz hingehalten hätte: „Wickelraum am Bahnhof, um Mitternacht. Wir erwarten dich.“
Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dass die sich nicht so aufdrängen.
Denn wer weiß schon wie es wird, wenn Väter, die mit dem Rumvaddern ernst machen, zum ersten Mal aufeinander treffen.
Sammeln sie sich tagsüber patengleich mit finsteren Mienen und Grande Caffe Lattes um Sandkästen?
Nennen sich Alete-Al oder Don Wickelone?
Berichten sich gegenseitig, was sie für eine harte Nacht hatten? („Kein Auge zugekriegt.“ „Nur geschrieen, die Lütte.“ „Die ganze Nacht gesoffen, der kleine Kerl.“)
Fachsimpeln über Säuglingsernährung („Beikost fördert die Sprachentwicklung, ich sag’s dir, Digger.“), Windelfüllungen („Drei Pfund, ungelogen, und der Bursche ist erst neun Monate!“) und Entwicklungsstadien der Kleinen („Meine kann schon ‚Ba-ba-ba’, aber „Da-da-da’ kriegt sie noch nicht hin.“)?
Beäugen missgünstig die tiefer gelegten Kinderwagen der anderen?
Schrauben vielleicht an den Wagen rum, legen sich vielleicht gar tunend drunter?
Fragen sich gegenseitig: „Und du? Wie lang?“ als ginge es um die Dauer ihres Knastaufenthalts, dabei meinen sie nur, wie viele Monate die Elternzeit des anderen dauert. Unweigerlich fällt einem ein, wie Gangster sich damit rühmen, wie viele Jahre Gefängnis sie gemeinsam auf dem Kerbholz haben. Im gleichen Tonfall erzählt dann der stolze Vater zuhause seiner Frau: „Da saßen dann 24 Monate beisammen, ich sag’s dir.“
Und verschweigt, wo sie saßen – nämlich um den Sandkasten herum.
Apropos: Ich glaube nicht, dass ich kaum andere Väter sehe, weil die Papas sich schämen oder nicht in ihrer Rolle zurechtfinden, im Gegenteil. Das Selbstvertrauen wächst.
Es mangelt wahrscheinlich eher an geeigneten Treffpunkten.
Warum gibt es nicht auch mal ein auf Papas eingerichtetes Szene-Lokal, also eine Baby-Lounge speziell für Väter? Nicht mit rosa Tischdeckchen und weißen Kaffeehausstühlchen, sondern mit Eames-Sesseln und Comicsammlung?
Mit Rolf-Zuckowski-Jukebox und Gummipfropfen-Dart?
Mit alkoholfreiem Bier vom Fass und besagten 30 Breisorten auf der Karte?
Oder gar frisch hausgemachtem Tagesbrei?
Wäre natürlich auch nett, wenn das Personal speziell darauf eingestellt und geschult wäre, ab und zu einen Blick auf die schlafenden Kleinen zu werfen, während die Daddys sich an den Kickertischen messen.
Die Suche geht weiter.
Meistens sind die aber dann ganz schnell wieder weg, mit dem Kinderwagen um die Ecke gehuscht und verschwunden.
Darum meine Frage:
Wo sind die Papas?
Wo sind sie, die 10 Prozent Männer in Elternzeit?
Die angeblich sogar bis zu 20 Prozent in größeren Städten, die sich für 3, 4, 5, 6 oder mehr Monate nur dem eigenen Nachwuchs widmen?
Ich finde sie nicht.
Auf den Spielplätzen nicht, in keiner Babyabteilung, nirgendwo.
Sind die im Untergrund?
Gibt es so eine Art geheime Papa-Vereinigung, eine Brei-Sauger-Loge, zu der ich noch keinen Zutritt habe – oder nie bekomme?
Was müsste ich tun, um diesem Verein beitreten zu können? Einem Baby ansatzlos aus der Hüfte die Flasche geben, die es dann ohne absetzen in 5 Minuten austrinkt?
Mit verbundenen Augen eine volle Windel entfernen, das Kind waschen und neu pampern, das alles in 60 Sekunden?
30 Sorten Babybrei blind erkennen, nur am Knackgeräusch beim Öffnen des Glases?
Also, bisher bin ich jedenfalls noch nicht angeworben worden, es saß noch keine vermummte Gestalt nachts auf der Bettkante, die mir stumm eine Wachsmalstift-Notiz hingehalten hätte: „Wickelraum am Bahnhof, um Mitternacht. Wir erwarten dich.“
Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dass die sich nicht so aufdrängen.
Denn wer weiß schon wie es wird, wenn Väter, die mit dem Rumvaddern ernst machen, zum ersten Mal aufeinander treffen.
Sammeln sie sich tagsüber patengleich mit finsteren Mienen und Grande Caffe Lattes um Sandkästen?
Nennen sich Alete-Al oder Don Wickelone?
Berichten sich gegenseitig, was sie für eine harte Nacht hatten? („Kein Auge zugekriegt.“ „Nur geschrieen, die Lütte.“ „Die ganze Nacht gesoffen, der kleine Kerl.“)
Fachsimpeln über Säuglingsernährung („Beikost fördert die Sprachentwicklung, ich sag’s dir, Digger.“), Windelfüllungen („Drei Pfund, ungelogen, und der Bursche ist erst neun Monate!“) und Entwicklungsstadien der Kleinen („Meine kann schon ‚Ba-ba-ba’, aber „Da-da-da’ kriegt sie noch nicht hin.“)?
Beäugen missgünstig die tiefer gelegten Kinderwagen der anderen?
Schrauben vielleicht an den Wagen rum, legen sich vielleicht gar tunend drunter?
Fragen sich gegenseitig: „Und du? Wie lang?“ als ginge es um die Dauer ihres Knastaufenthalts, dabei meinen sie nur, wie viele Monate die Elternzeit des anderen dauert. Unweigerlich fällt einem ein, wie Gangster sich damit rühmen, wie viele Jahre Gefängnis sie gemeinsam auf dem Kerbholz haben. Im gleichen Tonfall erzählt dann der stolze Vater zuhause seiner Frau: „Da saßen dann 24 Monate beisammen, ich sag’s dir.“
Und verschweigt, wo sie saßen – nämlich um den Sandkasten herum.
Apropos: Ich glaube nicht, dass ich kaum andere Väter sehe, weil die Papas sich schämen oder nicht in ihrer Rolle zurechtfinden, im Gegenteil. Das Selbstvertrauen wächst.
Es mangelt wahrscheinlich eher an geeigneten Treffpunkten.
Warum gibt es nicht auch mal ein auf Papas eingerichtetes Szene-Lokal, also eine Baby-Lounge speziell für Väter? Nicht mit rosa Tischdeckchen und weißen Kaffeehausstühlchen, sondern mit Eames-Sesseln und Comicsammlung?
Mit Rolf-Zuckowski-Jukebox und Gummipfropfen-Dart?
Mit alkoholfreiem Bier vom Fass und besagten 30 Breisorten auf der Karte?
Oder gar frisch hausgemachtem Tagesbrei?
Wäre natürlich auch nett, wenn das Personal speziell darauf eingestellt und geschult wäre, ab und zu einen Blick auf die schlafenden Kleinen zu werfen, während die Daddys sich an den Kickertischen messen.
Die Suche geht weiter.
Jens Clasen - 23. Jun, 20:17
