Flaschenpost
Elternzeit ist schon toll.
Super für die Selbstentfaltung der Mutter, die Weiterentwicklung ihrer Karriere, die Ausschöpfung ihrer multiplen Fähigkeiten.
Fantastisch für die emotionale Bindung des Vaters an sein Kind.
Aber wer fragt eigentlich das Kind?
Dem widerfahren durch das Überreichen des Staffelstabs in der Betreuung vielfach schwerwiegende Verluste. Dem kommt nicht nur eine Person abhanden, sondern gleich ein halbes Dutzend:
- die-so-schön-singt (und zwar richtige Kinderlieder, keinen Britpop-Rock’n’Roll-Scheiß, und zwar so, dass ich keine Kopfschmerzen bekomme)
- die-sofort-nach-einem-Versuch-die-Windel-zubekommt (ohne mich ewig lang wie ein Paket zusammengeknautscht festzuhalten, bis der Klebestreifen an der richtigen Stelle sitzt)
- die-weiß-wo-meine-frischen-Sachen-liegen (und nicht stundenlang fluchend die Schränke durchwühlt, um mich dann doch in Jogginghose und Schlafshirt zu kleiden)
- die-mit-dem-Kinderwagen-keine-Rallycross-Meisterschaft-gewinnen-will (und auch mal in gemäßigtem Tempo um die Kurven geht, ohne diese lächerlichen „Brrrrrmmm-brrrrmmm“-Geräusche)
- die-andere-Spiele-kennt-als-Fußball (und mich meine ganzen tollen Chicco-Tüdelüü-Spielzeuge auch mal selbst benutzen lässt)
aber VOR ALLEM:
- die-mit-den-Milchdingern (die mir nicht mit so einer blöden Flasche auf den Hals rückt)
Das Thema also heute (bestimmt nicht zum letzten Mal):
Stillen ohne Mutti.
Kinder können nach weitläufiger Ansicht nicht sprechen.
Sie können sehr wohl etwas sagen.
Zum Beispiel: „Du kannst mir mit deiner ******-Nucki-Pulle gestohlen bleiben, du Pfeife.“
Dafür genügt ein gelangweiltes Kopf-Wegdrehen, ein beidhändig von der Schulter zum Bauch geführter Flaschen-Abwehrschlag oder auch ein routiniertes Überstrecken des Nackens, so dass Babys Hinterkopf fast seinen Po berührt.
Da kann der Papa noch so sehr dutzi-dutzi machen und noch so oft selbst an dieser leckerli-lecker Milchflasche nuckeln (glaubst du eigentlich, ich merke nicht, dass du nur so TUST, Alter?!), da kann die Mama im Büro abpumpen bis sie leer und trocken ist – Babys Message ist ganz klar:
Ich trinke nicht aus der Flasche!
Wie also kommt die Milch in das Kind?
Ein paar Tipps:
- Das Kind bereits spielerisch an die Flasche gewöhnen, bevor es akut wird. Auch mal allein damit herumdaddeln lassen – aber nur selten, so dass der Status des Besonderen erhalten bleibt. Neugier wecken, keine Abstumpfung oder Desinteresse produzieren.
- Nie warten, bis das Kind vor Hunger quengelt. In eine Kneipe, wo man Sie erst um Ihr Bier betteln lässt, gehen Sie doch auch nie wieder, oder? Den Zeitpunkt antizipieren und 10 Minuten eher da sein.
- Milchflaschenwärmer kaufen (ab 8 Euro in Drogeriemärkten oder Babyhäusern). Mikrowelle oder Herd nerven.
- Der Hebammen-Tipp, die Milch-Temperatur an der Innenseite Ihres Handgelenks zu überprüfen, ist ganz gut, weil es sehr temperaturempfindlich ist. Ist aber auch mit Vorsicht zu genießen – WEIL ES SEHR TEMPERATUREMPFINDLICH IST! Und weil die meisten Milchwärmevorrichtungen schon mal übers Ziel hinaus schießen, aua, verdammt.
- Trinkt Baby nicht aus: Nachwärmen. Manche Kinder sind da sehr pingelig.
- Wenn es in der Brustvorhalte (so wie Mama ihn stillt) nicht klappt, nicht verzweifeln. In einer neuen Kneipe gurten Sie sich ja auch nicht gleich an den Tresen. Da muss erst Vertrauen aufgebaut werden. Langsame Annäherung ist gefragt. Ich habe es nach diversen verzweifelten Versuchen im Mama-Style so gemacht: Ich bequem angelehnt auf der Couch, Henri rücklings neben mir liegend, den Kopf an meinen rechten Oberschenkel gelehnt, so als würden wir fernsehen. Dann habe ich ihm ganz beiläufig die Flasche angeboten – und nach drei Versuchen hat er sie genommen und in einem Zug geleert (yippieeee, jauchz).
- Niemals aufgeben. Die Konsequenz wäre ein hungriges Baby – und damit bestraft man sich genau so selbst.
- Oh, apropos: ich muss Schluss machen. Er bekommt da diesen hungrigen Glanz in den Pupillen.
Super für die Selbstentfaltung der Mutter, die Weiterentwicklung ihrer Karriere, die Ausschöpfung ihrer multiplen Fähigkeiten.
Fantastisch für die emotionale Bindung des Vaters an sein Kind.
Aber wer fragt eigentlich das Kind?
Dem widerfahren durch das Überreichen des Staffelstabs in der Betreuung vielfach schwerwiegende Verluste. Dem kommt nicht nur eine Person abhanden, sondern gleich ein halbes Dutzend:
- die-so-schön-singt (und zwar richtige Kinderlieder, keinen Britpop-Rock’n’Roll-Scheiß, und zwar so, dass ich keine Kopfschmerzen bekomme)
- die-sofort-nach-einem-Versuch-die-Windel-zubekommt (ohne mich ewig lang wie ein Paket zusammengeknautscht festzuhalten, bis der Klebestreifen an der richtigen Stelle sitzt)
- die-weiß-wo-meine-frischen-Sachen-liegen (und nicht stundenlang fluchend die Schränke durchwühlt, um mich dann doch in Jogginghose und Schlafshirt zu kleiden)
- die-mit-dem-Kinderwagen-keine-Rallycross-Meisterschaft-gewinnen-will (und auch mal in gemäßigtem Tempo um die Kurven geht, ohne diese lächerlichen „Brrrrrmmm-brrrrmmm“-Geräusche)
- die-andere-Spiele-kennt-als-Fußball (und mich meine ganzen tollen Chicco-Tüdelüü-Spielzeuge auch mal selbst benutzen lässt)
aber VOR ALLEM:
- die-mit-den-Milchdingern (die mir nicht mit so einer blöden Flasche auf den Hals rückt)
Das Thema also heute (bestimmt nicht zum letzten Mal):
Stillen ohne Mutti.
Kinder können nach weitläufiger Ansicht nicht sprechen.
Sie können sehr wohl etwas sagen.
Zum Beispiel: „Du kannst mir mit deiner ******-Nucki-Pulle gestohlen bleiben, du Pfeife.“
Dafür genügt ein gelangweiltes Kopf-Wegdrehen, ein beidhändig von der Schulter zum Bauch geführter Flaschen-Abwehrschlag oder auch ein routiniertes Überstrecken des Nackens, so dass Babys Hinterkopf fast seinen Po berührt.
Da kann der Papa noch so sehr dutzi-dutzi machen und noch so oft selbst an dieser leckerli-lecker Milchflasche nuckeln (glaubst du eigentlich, ich merke nicht, dass du nur so TUST, Alter?!), da kann die Mama im Büro abpumpen bis sie leer und trocken ist – Babys Message ist ganz klar:
Ich trinke nicht aus der Flasche!
Wie also kommt die Milch in das Kind?
Ein paar Tipps:
- Das Kind bereits spielerisch an die Flasche gewöhnen, bevor es akut wird. Auch mal allein damit herumdaddeln lassen – aber nur selten, so dass der Status des Besonderen erhalten bleibt. Neugier wecken, keine Abstumpfung oder Desinteresse produzieren.
- Nie warten, bis das Kind vor Hunger quengelt. In eine Kneipe, wo man Sie erst um Ihr Bier betteln lässt, gehen Sie doch auch nie wieder, oder? Den Zeitpunkt antizipieren und 10 Minuten eher da sein.
- Milchflaschenwärmer kaufen (ab 8 Euro in Drogeriemärkten oder Babyhäusern). Mikrowelle oder Herd nerven.
- Der Hebammen-Tipp, die Milch-Temperatur an der Innenseite Ihres Handgelenks zu überprüfen, ist ganz gut, weil es sehr temperaturempfindlich ist. Ist aber auch mit Vorsicht zu genießen – WEIL ES SEHR TEMPERATUREMPFINDLICH IST! Und weil die meisten Milchwärmevorrichtungen schon mal übers Ziel hinaus schießen, aua, verdammt.
- Trinkt Baby nicht aus: Nachwärmen. Manche Kinder sind da sehr pingelig.
- Wenn es in der Brustvorhalte (so wie Mama ihn stillt) nicht klappt, nicht verzweifeln. In einer neuen Kneipe gurten Sie sich ja auch nicht gleich an den Tresen. Da muss erst Vertrauen aufgebaut werden. Langsame Annäherung ist gefragt. Ich habe es nach diversen verzweifelten Versuchen im Mama-Style so gemacht: Ich bequem angelehnt auf der Couch, Henri rücklings neben mir liegend, den Kopf an meinen rechten Oberschenkel gelehnt, so als würden wir fernsehen. Dann habe ich ihm ganz beiläufig die Flasche angeboten – und nach drei Versuchen hat er sie genommen und in einem Zug geleert (yippieeee, jauchz).
- Niemals aufgeben. Die Konsequenz wäre ein hungriges Baby – und damit bestraft man sich genau so selbst.
- Oh, apropos: ich muss Schluss machen. Er bekommt da diesen hungrigen Glanz in den Pupillen.
Jens Clasen - 27. Mai, 09:23
